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Blutspritzen-Phobie

Blutabnahmen, Impfungen, kleine Eingriffe – für viele sind sie Routine, für manche jedoch eine Quelle großer Ängste und sogar Ohnmachtsanfälle. Die meist tief verwurzelte Angst  vor solchen medizinischen Eingriffen wird als Blut-Spritzen-Phobie bezeichnet. Dabei geht es nicht nur um den Anblick von Blut oder die Injektion selbst, sondern vorallem um den damit verbundenen Schmerz und den möglichen Kontrollverlust, zum Beispiel durch Ohnmacht.

Ursprünge der Furcht: Vom Kindheitstrauma zur genetischen Disposition

Die Wurzeln der Phobie sind vielfältig. Oft beginnt sie mit traumatischen Erlebnissen in der Kindheit. Kinder, die sich während einer Impfung oder Blutentnahme allein gelassen und schutzlos fühlten, tragen diese Ängste ins Erwachsenenalter. Schmerzhafte Erfahrungen oder traumatische Krankenhausaufenthalte verstärken diese Furcht. Manchmal ist die Angst vor Spritzen auch ein erlerntes Verhalten, übernommen von Familienmitgliedern, die selbst Angst vor Nadeln hatten. Studien bestätigen, dass das Risiko eine Angsterkrankung zu entwickeln, bei Personen mit familiärer Vorgeschichte dreimal höher ist. Somit können genetische Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen, insbesondere bei einer angeborenen Neigung zu Ohnmacht oder allgemeiner Ängstlichkeit.

 

Symptome: Von Angst zu Ohnmacht

Die Blut-Spritzen-Phobie unterscheidet sich von anderen Phobien durch ihre einzigartige physiologische Reaktion. Normalerweise führt Angst zu einer „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion mit erhöhtem Puls und Schweißausbrüchen. Bei der Blut-Spritzen-Phobie kann jedoch nach einem kurzen Anstieg des Blutdrucks ein abrupter Abfall eintreten, der in Ohnmacht münden kann. Häufige Vorzeichen einer Ohnmacht sind Schwindel, Schweißausbrüche und Übelkeit.

 

Umgang mit Ohnmachtsanfällen

Ein kritischer Aspekt der Blut-Spritzen-Phobie ist die Scham, die mit Ohnmachtsanfällen einhergeht. Die Betroffenen fühlen sich oft peinlich berührt, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren, obwohl Ohnmacht in dieser Situation eine harmlose Folge des Blutdruckabfalls ist. Vielen fällt es schwer ein offenes Gespräch mit dem Arzt über diese Befürchtungen zu führen, obwohl gerade das hilfreich wäre.

Therapieansätze

Die kognitive Verhaltenstherapie zeigt bei bei der Bewältigung der Blut-Spritzen-Phobie sehr effektive Ergebnisse. Sie konfrontiert Betroffene schrittweise mit ihren Ängsten und hilft ihnen, ihre fehlerhaften Einschätzungen zu korrigieren. Zunächst wird die Ursache der Angst ergründet und bearbeitet, gefolgt von einer gestuften Konfrontation, erst in Gedanken und dann in der Realität. Ergänzende kognitive und weitere verhaltenstherapeutische Methoden unterstützen diesen Prozess.

 

Mut bedeutet nicht die Abwesenheit von Angst.

Mut heißt, trotz Angst für seine Ziele und Träume los zu gehen…

Praktische Tipps zur Überwindung der Spritzenangst

  • Rationalisierung der Angst: Phobische Patienten/innen neigen aufgrund ihrer Angst zu katastrophisierenden Gedanken. Vorallem wird die Wahrscheinlichkeit eins negativen Ausgangs in der Situation, aber auch die Intensität der Angstreaktion überschätzt. Nimm dir Zeit, deine Ängste logisch und realistisch zu analysieren.  Erst wenn du beginnst deine tiefer gehenden Überzeugungen zu betrachten und zu reflektieren, kannst du sie im Idealfall transformieren und so langfristig auf dein bewusstes Denken einwirken. 
  • Routinen etablieren: Erstelle Routinen im Alltag und vor Behandlungen, um Stress und Angst zu minimieren. Je weniger gestresst du generell bist, umso höher ist die Chance in solchen Situationen bei dir bleiben zu können und nicht in automatische Muster zu fallen.
  • Atemtechniken anwenden: Lerne spezielle Atemtechniken, um in kritischen Momenten ganz gezielt auf deinen Körper Einfluss nehmen zu können und das zentrale Nervensystem wieder zu beruhigen.
  • Progressive Muskelentspannung: Übe Muskelentspannung, um einen abrupten Blutdruckabfall und damit verbundene Ohnmacht zu verhindern. Das rhythmische An- und Entspannen von Armen und Beinen kann unterstützen den Blutdruck nicht absacken zu lassen, das Gehirn wird weiter mit Blut versorgt – was einer Ohnmacht entgegenwirkt.
  • Vorbilder suchen: Orientiere dich an Menschen, die erfolgreich ihre Angst überwunden haben.
  • Steh zu deiner Angst: Sprich offen darüber und kläre vor Behandlungen das medizinische Personal darüber auf, dass du an einer Blutspritzen-Phobie erkrankt bist. Es kennt die nötigen Schritte um dich gut in der Behandlung zu unterstützen und einer Ohnmacht vorzubeugen. 
  • Selbstakzeptanz:  Phobien sind eine häufige und behandelbare Erkrankung, wie viele andere auch. Du brauchst dich für deine Angst nicht zu schämen. Angst wird immer bewältigt, indem man sie im ersten Schritt akzeptiert und sich dann dazu entscheidet mit der Angst in eine Veränderung gehen zu wollen. So verliert sie allmählich ihre Dominanz.

Fazit

Die Blut-Spritzen-Phobie mag eine Herausforderung sein, aber sie ist überwindbar. Mit dem richtigen Verständnis, professioneller Unterstützung und praktischen Techniken können Betroffene ihre Angst bewältigen und ein freieres Leben führen. Erinnere dich daran, dass du nicht allein bist und dass Hilfe verfügbar ist.