Phasen der klinisch-psychologischen Behandlung

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen gerne einen kleinen Einblick in die prinzipiellen Phasen einer klinisch-psychologischen Behandlung geben, damit Sie sich ein Bild davon machen können, was Sie erwartet. Da jeder Mensch anders ist und demnach ganz spezifisch auf sein eigenes Tempo, seine Wünsche, Bedürfnisse und seine Symptomatik eingegangen werden muss, ist natürlich jede Behandlung individuell angepasst und daher unterschiedlich. Grundsätzlich aber lässt sich sagen, dass eine jede Behandlung folgende Phasen beinhaltet:

Erstkontakt

Der erste Kontakt ist dazu da, um allgemeine Fragen zu beantworten oder einen Termin für ein Erstgespräch zu vereinbaren. Hierfür können Sie mir ein Mail schreiben oder mich persönlich anrufen. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, mich über die Hotline des Instituts für Psychosomatik und Verhaltenstherapie zu kontaktieren.

Erstgespräch

Wenn der erste große Schritt der Terminvereinbarung geschafft ist, geht es im Erstgespräch darum, sich gegenseitig kennenzulernen. Oft fällt es nicht leicht, ein sehr persönliches Anliegen einer fremden Person zu erzählen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie sich wohl fühlen und herausfinden, ob Sie sich vorstellen können auch in Zukunft mit mir zusammenzuarbeiten.

Geht es im Erstgespräch also einerseits darum, Sie als Mensch ein bisschen kennenzulernen, versuche ich andererseits auch, mir von Ihrem Anliegen einen ersten Eindruck zu mache. Ich stelle erste diagnostische Fragen oder gebe bereits ein bis zwei psychologische Testverfahren vor. Selbstverständlich können auch Sie jederzeit Fragen stellen.

Darüber hinaus kläre ich meine Klienten/innen in jedem Erstgespräch über den Ablauf und die Rahmenbedingungen der Behandlung auf und gebe Einblick in meine Arbeitsweise.  
 
Wichtige Informationen zum Erstgespräch:
  • Gibt es psychiatrische, psychologische, neurologogische oder internistische Befunde, die für die Behandlung relevant sind, bringen Sie diese bitte zum Erstgespräch mit!
  • Sie brauchen sich in der Praxis bei Ihrer Ankunft nicht anzumelden. Nehmen Sie einfach im Warteraum Platz, bis ich Sie aufrufe. Bitte planen Sie ausreichend Zeit ein, da eine Sitzung 50 Minuten dauert.
  • Bereits das Erstgespräch ist ein wichtiger Teil der psychologischen Diagnostik und Behandlung und wird als solches in Rechnung gestellt.

Anamnese & Exploration

Entscheiden Sie sich nach dem Erstgespräch für eine mögliche Behandlung, so sind die ersten Sitzungen dazu da, sich weiter kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Für mich als Psychologin bedeutet das aber auch, mehr über Ihr Anliegen sowie die jeweiligen Hintergründe der bisherigen Entwicklung zu erfahren. Ich nehme mir ausführlich Zeit, um Ihre Biografie kennen zu lernen, weil all das, was jemand bisher erlebt hat, sein Verhalten prägt und versuche mir darüber hinaus ein umfassendes Bild von Ihrer aktuellen Lebenssituation zu machen.

In den meisten Fällen setze ich ergänzend Fragebögen ein und nehme dann, anhand aller mir zur Verfügung stehenden Informationen, eine genaue diagnostische Einschätzung vor, um eine individuelle Problemanalyse und einen darauf abgestimmten Behandlungsplan erstellen zu können.

Transparenz ist mir sehr wichtig, weshalb ich mir gegen Ende dieser Sitzungen ausreisend Zeit nehme, um mit Ihnen die Erkenntnisse aus den diagnostischen Testverfahren zu besprechen, gemeinsam die Eckpfeiler der Behandlung festzumachen, Ihre Wünsche und Bedürfnisse daran anzupassen und gemeinsame Ziele und Visionen zu definieren.

Wichtige Informationen:
 
  • Ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Behandlung ist der, das Psychologe und Klient eine gute vertrauensvolle Basis miteinander haben. Die ersten Einheiten sollen Ihnen dabei helfen, sich einen Eindruck darüber zu verschaffen, ob Sie offen mit mir sprechen können.
  • Gerade in dieser frühen Phase kommt es oft zum Austausch von viel persönlicher Information, was verständlicherweise nicht immer leichtfällt und Überwindung kostet. Es ist mir wichtig, dass Sie nur die Fragen beantworten, die Sie zum jetzigen Zeitpunkt auch beantworten möchten. Scheuen Sie sich also nicht, eine Frage zunächst einmal im Raum stehen zu lassen, wenn diese für Sie noch zu persönlich ist.
  • Umgekehrt kann ich in dieser Phase nicht jede dieser gewonnenen Informationen gleich in der Behandlung umsetzen oder gar Lösungen anbieten. Bringen Sie zu Beginn der Behandlung also etwas Geduld mit, denn hier geht es zunächst einmal darum, die kleinen Puzzleteile in Ihrem Leben genauer zu betrachten. Erst wenn man das Problem und die damit einhergehenden Zusammenhänge kennt, kann man sich an die Lösungsfindung machen.

Arbeitsphase

Die Sitzungen sollten anfangs einmal in der Woche stattfinden um eine bestmöglichste Behandlung zu gewährleisten, werden aber immer individuell an die Bedürfnisse des Klienten/der Klientin angepasst und können in ihrer Frequenz somit erhöht oder verringert werden.  

In dieser Phase der Behandlung stoßen wir zu den für Sie relevanten Themen bis in die Tiefe vor und erarbeiten gemeinsam Ursachen, Entstehung und Aufrechterhaltung der Probleme. Auf Wunsch kann es in unterschiedlichen Phasen der Behandlung zusätzlich sinnvoll sein, Bezugspersonen für eine oder mehrere Sitzungen in den Prozess einzubinden.

Je nach Problematik finden in der Arbeitsphase die passenden therapeutischen Methoden ihre Anwendung, meist greife ich auf Techniken aus der Verhaltenstherapie zurück. Diese reichen vom reinen Gespräch oder einer schriftlichen Analyse, über Gedankenexperimente und Rollenspiele, bis hin zu konkreten Verhaltensübungen in Ihrem natürlichen Umfeld. Oft bekommen Sie auch Übungen mit nach Hause, um das in der Stunde besprochene nachwirken zu lassen, zu festigen und in der Praxis umzusetzen. Hier gilt, Übung macht den Meister.

Alle Wege haben jedoch zum Ziel, dass Ihre Gefühle, Ihre Gedanken und Ihr Verhalten Sie nicht mehr dabei behindern, Ihre familiären und beruflichen Herausforderungen zu meistern und zwischenmenschliche Konflikte zu lösen. Am Ende soll ein neues Gefühl von Freiheit und Lebensqualität stehen.

Wichtige Informationen:


In der Arbeitsphase geht es darum:

  • Alte Konfliktmuster und Probleme aktiv zu bearbeiten
  • Sich neu zu erfahren und kennenzulernen
  • Konflikte austragen zu lernen und durchzuarbeiten
  • Eigene Ressourcen sowie neue Handlungs- und Erlebnismöglichkeiten zu entdecken

Schwierigkeiten im Veränderungsprozess

Wer schon einmal versucht hat, eine bestimmte Gewohnheit aufzugeben, der kennt das wahrscheinlich gut: Der Wunsch nach Veränderung ist da, aber irgendwie hindert man sich doch immer wieder selbst daran. Warum kann man nicht einfach aufhören, keine Angst mehr zu haben? Was ist so schwer daran, sich von gewissen Gedanken einfach zu lösen? Warum kann man nicht einfach mehr bzw. weniger essen oder einfach nicht mehr zum Alkohol greifen?

Wir schütteln Verhalten nicht einfach wieder ab. Diese Verhaltensweisen sind immerhin auch nicht von heute auf morgen und ohne Grund entstanden. Deshalb verschwinden sie auch nicht von heute auf morgen mühelos und erst recht nicht, bevor man nicht den eigentlichen Grund für ihr Dasein kennt und versucht, hierfür andere, nicht selbstschädigende Lösungen zu finden. Gerade das Vordringen zum Kern des Problems kann mitunter auch neue Probleme aufwerfen.

Das bedeutet, dass eine Symptomatik, allein durch die intensive Auseinandersetzung mit ihr, im Verlauf der Behandlung abnehmen, aber ebenso wieder zunehmen kann.

Dasselbe gilt auch für Ihre Hoffnung, Ihre Motivation, Ihren Optimismus, Ihre Kraft; all das kann wachsen und auch wieder schwinden. Dies ist völlig normal und ein wichtiger Teil eines jeden Behandlungsprozess, da dies auch ein Zeichen dafür ist, dass Sie sich intensiv mit sich und ihrer persönlichen Thematik auseinandersetzen. Wichtig dabei ist zu wissen, dass psychologische Behandlung eben nicht immer eine gemütliche Aneinanderreihung von Gesprächen ist, sondern auch unangenehme Gefühle auftreten können, was aber für den Veränderungsprozess meist wichtig und notwendig ist. Entscheidend ist, dies offen anzusprechen. Als Klinische Psychologen wissen wir um die Probleme und Schwierigkeiten Bescheid, die während einer Behandlung auftreten können und sind dazu da, Sie hier hindurch zu begleiten.

Behandlungsende

Prinzipiell entscheiden immer Sie, wann Sie die Behandlung beenden möchten. Sinnvollerweise sollte das erst dann geschehen, wenn es Ihnen spürbar besser geht und Sie das Gefühl haben, neue Verhaltensweisen so gefestigt zu haben, dass Ihre Lebensqualität deutlich gestiegen ist und Sie nun anders und auf positivere Art und Weise mit Herausforderungen umgehen können. Einerseits werden Sie diese Veränderungen im Laufe der Zeit immer deutlicher wahrnehmen, andererseits werden aber auch genau aus diesem Grund zu Beginn Behandlungsziele formuliert. So ist es nämlich sehr deutlich möglich, sich die kleinen Schritte der Veränderung bewusst zu machen und festzustellen, wann Sie ihr ursprüngliches Ziel erreicht haben.

Gegen Ende der Behandlung werden Sie immer stärker selbst in der Lage sein, das Erlernte für sich zu nutzen, sodass Sie letztendlich Ihr eigener Experte werden und sich in Zukunft mit Hilfe der gelernten Methoden selbst helfen können. So lernen Sie auch einen eventuellen Rückfall vorzubeugen und erarbeiten Strategien, um Ihre Stabilität langfristig halten zu können.

Damit das Ende der Behandlung nicht zu abrupt von einer Woche auf die nächste erfolgt, besteht die Möglichkeit, die Behandlungseinheiten von Mal zu Mal weiter auszudehnen, sodass Sie gegen Ende beispielsweise nur noch einmal im Monat kommen, um angefallene Herausforderungen und mögliche Rückschläge zu besprechen. Nach dem Abschlussgespräch haben Sie natürlich immer die Möglichkeit im Sinne der Prävention Kontrolltermine zu vereinbaren.

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